Zeitenhund

Im krummen Raum, die Zeit biegend.

Es ist Liebe

Manchmal am frühen Morgen, wenn ich noch den Duft frischen Kaffees in der Nase habe, gibt es nur diese Straße und mich. Selten treffen ich dort auf andere Fahrzeuge. Nicht um diese Uhrzeit. Es ist kurz vor Fünf in der Frühe. Ich fahre sehr zeitig los, damit ich vor den ersten Staus im Büro angekommen bin. Trotz Gleitzeit ist es wichtig, früh zu kommen und noch viel wichtiger, rechtzeitig wieder zu gehen.

Aber diese Straße. Sie hat mich gefangen. Sie hat so viele verschiedene Gesichter, die sie wie ein Kleidungsstück zu den Jahreszeiten überzieht. Jetzt, im angehenden Sommer, Ende des Frühlings ist es dieses warme, verheißungsvolle Mäntelchen der Wärme und Zuneigung.

Danke, Niederrhein, dass du so wundervoll bist.

Verantwortung

Im Freundeskreis hat sich ein Pärchen vor knapp 2 Jahren getrennt. Eine Tochter, eine Katze, ein Haus. Finanziell hat das alles bisher geklappt. Beide sind auch wieder recht schnell mit neuer Beziehungen unterwegs gewesen. Jetzt ist es aber so, dass die Trennung von der Mutter ausging. Sie hielt es einfach nicht mehr aus. Der Mann, ein (jetzt) ehemaliger Freund von mir, verwandelte sich über die Jahre mehr und mehr zu einem Tyrann. Ich kann das heute nachvollziehen und teile ihre Meinung.

Was jetzt passiert ist etwas, vor dem habe ich beide eindringlich gewarnt. Leider ist er nunmal tatsächlich dieser uneinsichtige Tyrann, den man früher nicht vermutet hätte. Es geht um die Tochter. Er will das Kind derart beeinflussen, dass es nur noch bei ihm leben möchte. Was allerdings gar nicht geht. Er weiß das, alles wissen das, aber er zieht das trotzdem durch. Mir hat er das direkt gesagt, als wir noch soetwas wie Freunde waren. Jetzt legt er die Verantwortung für Dinge, die eigentlich er und die Mutter untereinander besprechen müssten, auf die Schultern seiner kleinen Tochter (8) und erwartet, dass das pfiffige Kind (seine Worte) das selber regelt.

Gestern war wieder so eine Situation. Die Kleine saß bei uns, wir waren zum Darten verabredet, und wusste gar nicht, wie sie ihre Mutter eine bestimmte Sache fragen soll. Es ging um etwas, das hätte er vorher ansprechen müssen, damit beide Eltern eine Entscheidung treffen können. Aber so macht er das immer und erzählt dem Kind unterschwellig immer wieder, wie schlecht ihre Mutter ist. Oder versucht eben alles, damit sie in einem schlechten Licht dasteht.

Der Punkt ist, dass es außerhalb seiner Wahrnehmung leider andersherum ist. Er ist das Arschloch. Das riesige Arschloch, das seine Tochter psychisch mit diesen Dingen foltert. Er hält sich aber weiterhin für den besten Vater aller Zeiten. Schwierig ist das zudem noch, da er und seine neue Partnerin in einem Kindergarten arbeiten. Als Erzieher. Und dann so etwas?

Ich möchte ihm einfach nur die Nase brechen. Mehrfach.

Das musste ich jetzt mal loswerden.

In Wahrheit

In Science Fiction Büchern oder Filmen wurden uns die tollsten Dinge gezeigt. Wer wollte sich nicht in Sekunden an einen gewünschten Ort beamen lassen? Autonome Fahrzeuge, die durch die Luft gleiten und uns ohne Anstrengung fort oder hin bringen. Kommunikation auf einem komplett neuen Level. Wie schön war und ist das in der romantisierenden Vorstellung, weil alles so wundervoll leicht und bequem ausschaut.

Wir sind ja mittendrin. Es ist beinahe alles da, oder in absehbarer Zeit zur Verfügung. Na gut, Beamen dauert sicher noch ein wenig. Aber im Grunde sind wir im Majority Report. Touchscreens sind allgegenwärtig. Datenbanken werden gefüttert. Digitale Assistenten wissen beinahe alles über uns. Wenn nicht heute, dann in wenigen Jahren. Eher weniger sogar.

In Wahrheit sind unsere Leben bereits so tief digitalisiert, dass wir es kaum noch bemerken. Wer aus seiner Filterblase auftaucht wird sehen, dass wir mittendrin sind. Im Krieg der Manipulation, der Kryptographie, der Überwachung. Ich weiß nicht, wie viele Menschen noch aus ihren Filterblasen heraus können. Und ich weiß nicht, wie viele von denen, die es können, dann überhaupt in der Lage sind, sich zur Wehr zu setzen. Ich fürchte, die wenigsten Menschen im Internet wissen das.

In Wahrheit haben wir längst verloren. Unsere Daten, unsere Privatheit.

Weird World

Es ist soweit

Der Terror hat einen ersten großen Teilsieg errungen. Die Angst ist in die Köpfe gesickert, das Denunziantentum wird sich aus seinem Grab erheben und frech und feist einen Jeden anschwärzen. 

Ab jetzt werden wir belauscht. Von allen um uns herum. Vorsicht! Bloß nichts sagen, was an deinem Leumund zweifeln ließe, nichts sagen, was andere auf dich aufmerksam macht. Denn dann kann es dir passieren, dass dein Flugzeug unplanmäßig landet, du verhaftet wirst und dein Rucksack gesprengt wird. 

Unsere Gedanken sind vergiftet. Es ist also soweit.

Schotten

Heute waren wir bei den Schotten in Xanten. Es war heiß. Furchtbar heiß. Ich habe keinen der Athleten beneidet, die dort zwar alle im traditionellen Kilt antraten, aber die Hitze setzten allen doch schon sehr zu.